Schreinerinnung Schwandorf – Der Neue Tag – Obermeister Fabian Kraus

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Fabian, du Dipferlscheißer!“

Das Handwerk ermöglicht schon in jungen Jahren steile Karrieren, die in Industrie und Verwaltung die seltene Ausnahme sind. Der 31-jährige Fabian Kraus über frühe Verantwortung, Selbstdisziplin und Work-Life-Balance.

Quali, handwerkliche Ausbildung, Geselle, Meister, Geschäftsführer: Fabian Kraus ist ein Beispiel dafür, welche Karrieren das Handwerk eröffnen kann.

 

Mit seinen 31 Jahren hat Fabian Kraus schon viel erreicht. Nach Quali, einer Schreinerausbildung, Gesellenjahren, denen der Meistertitel folgte, ist der junge Mann heute angestellter Geschäftsführer der Schwandorfer Schreinerei „Brunold interior“. Als solcher trägt er Verantwortung für 30 Mitarbeiter, anspruchsvolle Kunden – und für sich selbst. Denn Hausbau und Familiengründung zeigen: Die Work-Life-Balance muss trotz Stress und Arbeit stimmen.

„Wenn ich einen Architekten in München besuche, kann es schon mal sein, dass ich erst um 11 Uhr nachts bei meiner Familie bin“, gesteht Kraus. Die einjährige Tochter schläft dann schon längst. „Dafür sehe ich sie am Morgen, bevor alle das Haus verlassen.“ Die Zeit nimmt sich Kraus: „Die meisten Kollegen sind bereits um 7 Uhr morgens auf der Baustelle oder in der Firma, ich treffe erst gegen 8.30 Uhr ein.“ Das hat für Kraus auch ganz pragmatische betriebliche Gründe: „Wir haben uns als Schreinerei auf hochwertige Innenausstattungen spezialisiert, mit Kunden aus ganz Deutschland. Das sind große Betriebe oder besser gestellte Private. Da läuft fast alles über Architekten. Die fangen ihren Tag erst so gegen 9 Uhr an, erwarten aber, dass ich als Ansprechpartner am späten Nachmittag noch erreichbar bin.“

„Sonst wirst du grantig“

Am Abend müsse man dann aber konsequent sein und zur rechten Zeit Schluss machen, „sonst wirst du mit der Zeit genervt und grantig“.

Mal Chef sein – der große Traum? „Also, ich habe nicht davon geträumt. Das hat sich eher so ergeben. Als ich Geselle war, hatte sich meine damalige Lebenspartnerin und jetzige Frau entschlossen, zu studieren. Auch etliche Freunde und Bekannte zog es an die Hochschule. Da, dachte ich mir, mache ich auch noch was – und meldete mich an der Meisterschule in Garmisch-Partenkirchen an.“ Eines war für Kraus freilich schon früher beschlossene Sache: eine handwerkliche Ausbildung. „Während der Schule machte ich verschiedene Praktika. Bei einem großen Unternehmen musste ich die ganze Zeit nur Werkstücke feilen. Ich wusste gar nicht genau, wozu die gut waren. Beim Automechaniker hatte ich immer schmierige Hände. Darüber habe ich mich dann schon nach drei Tagen bei meinem Vater beschwert, auch ein Handwerker“, erinnert sich Kraus mit einem Schmunzeln. Dann stand ein Schnupperpraktikum in einer Schreinerei an: „Ich wusste sofort: Das ist es!“ Abwechslung, nette Kollegen, Kundenkontakt. „Da war einfach alles dabei.“

Klein, aber oho

Mit dem Quali in der Tasche begann Kraus im Praktikumsbetrieb dann auch seine Lehre. „Der war zwar klein, aber äußerst leistungsfähig. Und die Tätigkeiten waren nie monoton. Da wurde am Vormittag an einem Schrank gearbeitet und am Nachmittag durfte ich dem Chef beim Bauen eines Holzkahns helfen. Wo gibt’s das schon? Nur im Handwerk!“

„Im Handwerk arbeitest du mit den eigenen Händen, daher kommt das Wort. Man kann seine Kreativität ausleben, Individuelles schaffen“, sagt Kraus, der sich als Obermeister der Schwandorfer Schreinerinnung auch als ein Wortführer seines Berufsstandes versteht. „Das Handwerkliche muss nicht jedem liegen“, räumt er ein. Schülern empfiehlt er daher Praktika, so wie er sie gemacht hat. „Bevor wir jemanden einstellen, ist dieses gemeinsame Kennenlernen sogar eine Grundvoraussetzung.“

Nomen est omen: Bloß nicht langweilen, steht in einem von „Brunold interior“ gestalteten Studio des ostdeutschen Senders RBB zu lesen.

 

Kein klassischer Weg erkennbar

Den klassischen Schulweg für eine Karriere im Handwerk kann er nicht erkennen. „Bei uns haben zwar viele einen Hauptschulabschluss, so wie ich. Wir beschäftigen aber auch Abiturienten oder Abgänger von Förderschulen. Was man kann, hängt nicht vom Schulweg ab.“ Abi und dann Lehre also eher weniger? „Quatsch, das kann sich hervorragend ergänzen. Man kann auch mit Abi noch Geschäftsführer werden“, meint er lachend.

„Um Geschäftsführer zu werden, ist es egal, ob du Abitur, Mittlere Reife oder Hauptschule hast, du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“, spielt Kraus seinen Erfolg herab. Dabei wiederholt er immer wieder, wie wichtig es sei, „dran zu bleiben, sich fortzuentwickeln, nicht stehen zu bleiben, gleichzeitig aber selbstdiszipliniert zu arbeiten und auch härtere Zeiten zu ertragen“. Seine Geheimformel? „Ja, vielleicht. Meine Freunde und Bekannten charakterisieren mich schon als selbstkritischen Menschen. Meine Frau sagt zu mir immer: Fabian, du bist a Dipferlscheißer!“

Um in der Unternehmensführung erfolgreich zu sein, bedürfe es vor allem der Unterstützung durch die Mitmenschen: „Ohne Rückhalt der Kollegen läuft nichts. Gegenseitige Wertschätzung darf keine leere Floskel sein. Man muss den anderen immer als Menschen sehen.“ Und: „Geschäftsführung ist eine Option, die sich im Berufsleben ergeben mag, am wichtigsten ist aber die Leidenschaft für den Beruf.“

Und die kann man als Geselle mitunter besser ausleben: „Als Geschäftsführer wächst du aus den klassischen Handwerkstätigkeiten immer mehr heraus. Das geht schleichend, aber unabwendbar vonstatten. Das tut schon weh. Handwerk verlernst du andererseits nicht. Wie wichtig mir das alles ist, sehe ich wenn ich nach Hause komme. Da muss ich dann erstmal in meine Werkstatt und irgendetwas mit den Händen tun.“

„Das tut schon auch weh“: Fabian Kraus liebt seinen Job, doch er vermisst die Tätigkeiten, die seine Zeit als Geselle ausfüllten.

 

 „Manchmal schlafe ich schlecht“

Verantwortung fühle sich darüber hinaus nicht immer gut an. „Manchmal schlafe ich schlecht“, gesteht der junge Manager. „Verantwortung tragen ist halt nichts, was du auf die leichte Schulter nehmen kannst. Es geht schließlich nicht nur um dich, sondern um alle Menschen im Betrieb.“ Da darf man auch mal „a Dipferlscheißer“ sein.

Für den Münchner Gastrodienstleister Leonardi hat Brunold dieses Interieur geschaffen. Schreinerei-Chef Fabian Kraus ist stolz auf seine Mitarbeiter: „So etwas geht nur mit guten Leuten, die unser Handwerk lieben.“

BRUNOLD INTERIOR – INFOS ZUM UNTERNEHMEN:

„Nicht nur gut, sondern auch schnell“

„Brunold interior“ ist ein mittelständischer Schreinereibetrieb mit 30 Mitarbeitern, der gehobene Innenausstattungswünsche für Unternehmen und Privatleute realisiert. Zu den Kunden der Schwandorfer zählen renommierte Auftraggeber aus ganz Deutschland. „Vor kurzem haben wir beispielsweise ein Studio des Senders Radio Berlin-Brandenburg (RBB) ausgestattet, genauso wie den ehemaligen Tower des Flughafens München-Riem, der heute für Events genutzt wird“, sagt Geschäftsführer Fabian Kraus. „Unser Vorteil ist unsere überschaubare Größe. Dadurch sind wir nicht nur gut, sondern schnell. Das hat sich herumgesprochen.“ Macht sich das auch in Corona-Zeiten bemerkbar? „Und ob: Kurzarbeit kennen wir nicht, die Auftragsbücher sind voll.“

Bild: Brunold interior

Text: Reiner Wittmann

https://www.onetz.de/oberpfalz/schwandorf/fabian-dipferlscheisser-id3057364.html

 

 


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